Prozessvalidierung ist der dokumentierte Nachweis, dass ein Herstellungsprozess reproduzierbar ein Produkt in der geforderten Qualität liefert. In der sterilen Abfüllung gehört sie zu den Pflichten nach EU-GMP und ist Voraussetzung dafür, dass eine Charge überhaupt freigegeben werden darf. Wer ein Produkt an einen Lohnabfüller gibt, sollte den Ablauf kennen, denn die Validierung bestimmt Zeitplan und Kosten des Projekts. Dieser Beitrag erklärt Qualifizierung, Validierung und die laufende Überwachung.
Kurz zusammengefasst
- Vor der Prozessvalidierung werden Anlagen in drei Stufen qualifiziert, IQ, OQ und PQ.
- Die klassische Prozessvalidierung umfasst meist drei aufeinanderfolgende Chargen unter Routinebedingungen.
- Danach folgt die fortlaufende Prozessverifizierung, die den Prozess über die gesamte Lebensdauer überwacht.
Inhaltsverzeichnis
ToggleWas ist Prozessvalidierung?
Die Prozessvalidierung belegt, dass ein Prozess innerhalb festgelegter Parameter zuverlässig funktioniert. Grundlage in der EU ist der Annex 15 des EU-GMP-Leitfadens zu Qualifizierung und Validierung. Er beschreibt drei Ansätze, die traditionelle Validierung mit Validierungschargen, die kontinuierliche Prozessverifizierung mit umfangreicher Inline-Überwachung und einen hybriden Ansatz. Für die Lohnabfüllung steriler Flüssigkeiten ist der traditionelle Weg mit drei Chargen weiterhin üblich.
Qualifizierung: IQ, OQ und PQ erklärt
| Stufe | Bedeutung | Was geprüft wird |
|---|---|---|
| DQ | Design Qualification | Entspricht die geplante Anlage den Anforderungen und GMP-Vorgaben? |
| IQ | Installation Qualification | Ist die Anlage so installiert, wie spezifiziert, inklusive Dokumentation, Kalibrierung und Versorgungsmedien? |
| OQ | Operational Qualification | Funktioniert die Anlage im gesamten Betriebsbereich, inklusive Alarmen und Grenzwerten? |
| PQ | Performance Qualification | Liefert die Anlage mit Produkt oder Placebo unter Routinebedingungen das geforderte Ergebnis? |
Erst wenn alle Stufen abgeschlossen sind, darf die Prozessvalidierung beginnen. Bei einem Lohnabfüller ist die Qualifizierung der Anlagen Teil der Standortqualifizierung und liegt bereits vor, wenn ein neues Produkt übernommen wird.

Wie läuft die Prozessvalidierung ab?
1. Validierungsplan
Der Plan legt kritische Prozessparameter, kritische Qualitätsattribute, Probenahme, Prüfmethoden und Akzeptanzkriterien fest. Er wird vom Auftraggeber und vom Abfüller gemeinsam freigegeben.
2. Validierungschargen
In der Regel werden drei aufeinanderfolgende Chargen in kommerzieller Größe hergestellt. Dabei wird intensiver beprobt als in der Routine, zum Beispiel Füllmenge, Verschlusskraft, Partikel und Sterilität zu Beginn, in der Mitte und am Ende der Abfüllung.
3. Validierungsbericht
Der Bericht bewertet alle Ergebnisse gegen die Akzeptanzkriterien und gibt den Prozess frei. Abweichungen müssen untersucht und bewertet sein.
4. Fortlaufende Prozessverifizierung
Nach der Freigabe überwacht der Standort den Prozess weiter, etwa über Trendanalysen der Füllmengen und Umgebungsdaten. So werden Veränderungen früh erkannt.
Was gilt bei Änderungen?
Jede Änderung an Anlage, Packmittel, Rezeptur oder Chargengröße durchläuft das Change Control. Dort wird bewertet, ob eine Revalidierung nötig ist. Ein neues Vial-Format erfordert zum Beispiel oft eine erneute PQ und mindestens eine Validierungscharge, ein Lieferantenwechsel beim Stopfen eventuell nur eine Bewertung mit Daten.
Was der Auftraggeber beisteuern muss
- Kritische Qualitätsattribute des Produkts und deren Grenzwerte
- Validierte analytische Methoden oder deren Transfer
- Wirkstoff und Hilfsstoffe für die Validierungschargen
- Freigabe von Validierungsplan und Bericht
- Änderungsanzeige bei der Behörde, sofern erforderlich
Prozessvalidierung bei Lubeca fill
Lubeca fill wurde 2019 gegründet und betreibt in Çorlu bei Istanbul Abfülllinien von Groninger, Bausch + Ströbel und Syntegon. Die Anlagen werden nach Annex 15 qualifiziert, die EU-GMP-Zertifizierung wird derzeit vorbereitet. Für neue Produkte erstellen wir den Validierungsplan gemeinsam mit Ihnen und führen die Validierungschargen auf der späteren Routinelinie durch. Wie die Übernahme eines Produkts abläuft, lesen Sie im Beitrag zum Tech Transfer. Die Simulation des aseptischen Prozesses erklärt der Beitrag zum Media Fill.
Häufige Fragen zur Prozessvalidierung
Wie lange dauert eine Prozessvalidierung?
Mit Planung, drei Chargen, Analytik und Bericht meist drei bis sechs Monate. Sterilitätsprüfungen und Stabilitätsdaten können die Dauer verlängern.
Müssen es immer drei Chargen sein?
Drei Chargen sind üblich, der Annex 15 schreibt die Zahl aber nicht fest. Die Anzahl muss anhand des Risikos begründet werden.
Dürfen Validierungschargen verkauft werden?
Ja, wenn sie alle Spezifikationen erfüllen, die Validierung erfolgreich war und die Qualified Person sie freigibt.
Sie planen die Validierung eines Produkts auf einer neuen Linie? Sprechen Sie uns an.



