Ein Media Fill ist die Simulation eines aseptischen Abfüllprozesses mit Nährmedium statt Produkt. Die abgefüllten Einheiten werden bebrütet, und jedes trübe Gebinde zeigt eine Kontamination an. So weist ein steriler Standort nach, dass Anlage, Personal und Abläufe keine Keime in das Produkt eintragen. Für Pharmaunternehmen ist der Media Fill daher der wichtigste Beleg für die Sterilitätssicherung eines Lohnabfüllers. Dieser Beitrag erklärt Ablauf, Akzeptanzkriterien und Häufigkeit.
Kurz zusammengefasst
- Beim Media Fill wird steriles Nährmedium unter Worst-Case-Bedingungen abgefüllt und 14 Tage bebrütet.
- Der Annex 1 verlangt mindestens zwei Media Fills pro Jahr und Linie, das Ziel ist null kontaminierte Einheiten.
- Auftraggeber sollten die Ergebnisse der letzten Media Fills vor der Freigabe eines Abfüllers prüfen.
Inhaltsverzeichnis
ToggleWas ist ein Media Fill?
Der Media Fill, auch aseptische Prozesssimulation genannt, ersetzt das Arzneimittel durch ein Nährmedium, meist Trypton-Soja-Bouillon. Das Medium durchläuft alle Schritte des echten Prozesses, also Ansatz, Sterilfiltration, Abfüllung, Verschließen und Handhabung. Anschließend werden alle Einheiten bebrütet. Bleibt das Medium klar, hat der Prozess bestanden. Die Anforderungen stehen im Annex 1 des EU-GMP-Leitfadens, Abschnitt 9.
Wie läuft ein Media Fill ab?
| Schritt | Inhalt |
|---|---|
| 1. Planung | Festlegung von Linie, Gebinde, Chargengröße, Dauer und Worst-Case-Eingriffen im Protokoll |
| 2. Vorbereitung | Sterilisation des Mediums, Prüfung der Wachstumsförderung, Reinraum im Routinezustand |
| 3. Abfüllung | Abfüllung unter Routinebedingungen, geplante Eingriffe wie Nadelwechsel oder Stopfennachfüllung, maximale Personenzahl |
| 4. Bebrütung | Mindestens 14 Tage, meist 7 Tage bei 20 bis 25 Grad und 7 Tage bei 30 bis 35 Grad |
| 5. Auswertung | Visuelle Prüfung jeder Einheit durch geschultes Personal, Dokumentation aller Befunde |
| 6. Bericht | Bewertung gegen die Akzeptanzkriterien, Ursachenanalyse bei Kontamination |

Welche Akzeptanzkriterien gelten?
Das Ziel lautet null kontaminierte Einheiten. Jede kontaminierte Einheit löst eine Untersuchung aus. Bei einem Media Fill mit weniger als 5.000 Einheiten führt bereits eine kontaminierte Einheit zum Nichtbestehen. Bei größeren Chargen gilt eine einzelne Kontamination als Alarm mit Ursachenanalyse, zwei oder mehr führen zum Nichtbestehen. Ein nicht bestandener Media Fill bedeutet, dass die Linie bis zur Klärung keine kommerziellen Chargen freigeben darf.
Wie oft wird ein Media Fill durchgeführt?
Vor der Inbetriebnahme einer neuen Linie sind drei aufeinanderfolgende erfolgreiche Media Fills nötig. Danach verlangt der Annex 1 mindestens zwei Simulationen pro Jahr und Linie. Zusätzlich ist ein Media Fill nach wesentlichen Änderungen fällig, etwa nach Umbauten, neuen Gebindeformaten oder längerem Stillstand. Jeder Mitarbeiter, der im Bereich der Klasse A arbeitet, muss mindestens einmal jährlich an einem Media Fill teilnehmen.
Was bedeutet Worst Case beim Media Fill?
Die Simulation soll schwieriger sein als der Alltag. Deshalb werden die längste Prozessdauer, die maximale Personenzahl, die kleinsten und größten Gebinde, Pausen und alle zulässigen Eingriffe eingeplant. Wer unter diesen Bedingungen steril bleibt, bleibt es auch in der Routine.
Was Auftraggeber beim Lohnabfüller prüfen sollten
- Protokolle und Berichte der letzten zwei Media Fills je Linie
- Liste der simulierten Eingriffe im Vergleich zu den Eingriffen im echten Prozess
- Nachweis der Wachstumsförderung des Mediums
- Teilnahme des Personals und Qualifizierungsstand
- Umgang mit Abweichungen und Ergebnisse der Ursachenanalysen
Media Fill bei Lubeca fill
Lubeca fill wurde 2019 gegründet und füllt in Çorlu bei Istanbul sterile Flüssigkeiten in Ampullen, Vials und Flaschen ab. Die Anlagen stammen von Groninger, Bausch + Ströbel und Syntegon. Im Rahmen der Vorbereitung auf die EU-GMP-Zertifizierung werden die aseptischen Prozesse nach Annex 1 simuliert und dokumentiert. Welche weiteren Anforderungen der Annex 1 stellt, lesen Sie im Beitrag zum Annex 1. Wie Sie die Unterlagen im Audit prüfen, zeigt der Beitrag zum GMP Audit.
Häufige Fragen zum Media Fill
Wie viele Einheiten umfasst ein Media Fill?
Die Chargengröße soll der Routine entsprechen. Üblich sind 5.000 bis 10.000 Einheiten, bei kleinen Chargen entsprechend weniger.
Was passiert, wenn der Media Fill nicht besteht?
Die Linie wird gesperrt, eine Ursachenanalyse folgt. Nach Korrekturmaßnahmen sind erneut drei erfolgreiche Simulationen nötig.
Ersetzt der Media Fill die Sterilitätsprüfung?
Nein. Der Media Fill belegt die Eignung des Prozesses, die Sterilitätsprüfung prüft die einzelne Charge.
Sie möchten die Media-Fill-Dokumentation von Lubeca fill einsehen? Sprechen Sie uns an.



