Ein Isolator Pharma ist ein geschlossenes Barrieresystem, das den aseptischen Abfüllbereich vollständig von Personal und Umgebung trennt. Ein RABS, Restricted Access Barrier System, trennt ebenfalls, bleibt aber Teil des umgebenden Reinraums. Beide Systeme sollen verhindern, dass Keime vom Menschen ins Produkt gelangen. Seit der Revision des Annex 1 erwarten Behörden für aseptische Prozesse eines der beiden Systeme. Dieser Beitrag vergleicht Aufbau, Betrieb und Kosten und zeigt, welche Fragen Auftraggeber stellen sollten.
Kurz zusammengefasst
- Isolatoren sind dicht geschlossen, werden automatisch dekontaminiert und können in einem Reinraum der Klasse C oder D stehen.
- RABS nutzen Schutzwände und Handschuheingriffe, brauchen aber einen umgebenden Reinraum der Klasse B.
- Der Annex 1 verlangt für aseptische Abfüllung ein Barrieresystem, offene Verarbeitung muss begründet werden.
Inhaltsverzeichnis
ToggleWas ist ein Isolator in der Pharmaproduktion?
Der Isolator ist eine abgeschlossene Kammer, in der die Abfüllung unter Klasse A stattfindet. Das Personal arbeitet ausschließlich über fest eingebaute Handschuhe. Vor jedem Einsatz wird der Innenraum automatisch dekontaminiert, meist mit verdampftem Wasserstoffperoxid. Material gelangt über Schleusen oder Transfer-Ports hinein. Weil der Isolator dicht ist, darf der umgebende Raum eine niedrigere Reinraumklasse haben. Die Anforderungen beschreibt der Annex 1 des EU-GMP-Leitfadens in Abschnitt 4.
Was ist ein RABS?
Ein RABS umschließt die Abfülllinie mit festen Wänden und Türen, die im Betrieb geschlossen bleiben. Eingriffe erfolgen über Handschuhe in den Wänden. Die Luft im RABS wird über HEPA-Filter zugeführt und strömt in den umgebenden Raum ab. Man unterscheidet passive RABS, die die Luft des Raums nutzen, und aktive RABS mit eigener Lüftung. Geschlossene RABS bleiben während der Produktion verriegelt, offene RABS erlauben nach Dekontamination kurze Öffnungen. Der umgebende Reinraum muss Klasse B entsprechen.
Isolator und RABS im Vergleich
| Kriterium | Isolator | RABS |
|---|---|---|
| Trennung vom Personal | vollständig, dichte Kammer | physisch durch Wände, nicht luftdicht |
| Dekontamination | automatisch, validiert, z. B. mit Wasserstoffperoxid | manuelle Reinigung und Desinfektion |
| Umgebender Reinraum | Klasse C oder D möglich | Klasse B erforderlich |
| Sterilitätssicherheit | sehr hoch | hoch, abhängig von Personal und Disziplin |
| Investition | höher für das System, niedriger für den Reinraum | niedriger für das System, höher für den Reinraum |
| Formatwechsel | aufwendiger, Dekontaminationszyklus nötig | schneller |
| Typischer Einsatz | hochaktive Wirkstoffe, Biologika, lange Kampagnen | flexible Linien mit häufigen Produktwechseln |

Was verlangt der Annex 1?
Der überarbeitete Annex 1 nennt RABS und Isolatoren ausdrücklich als Mittel, um das Kontaminationsrisiko zu senken. Der Einsatz ist keine Pflicht, aber die Contamination Control Strategy muss begründen, warum ein Standort auf ein Barrieresystem verzichtet. In der Praxis akzeptieren Inspektoren offene Abfüllungen unter Laminar Flow nur noch in Ausnahmefällen. Neue Linien werden daher fast immer mit RABS oder Isolator geplant.
Welche Fragen sollten Auftraggeber stellen?
- Welches Barrieresystem ist an der Linie installiert, die mein Produkt abfüllt?
- Wie wird das System dekontaminiert und wie ist das validiert?
- Welche Eingriffe sind während der Produktion zulässig und wie werden sie im Media Fill simuliert?
- Wie wird die Integrität der Handschuhe geprüft?
- Wie lange dauert ein Formatwechsel und was bedeutet das für meine Chargengrößen?
Barrieresysteme bei Lubeca fill
Lubeca fill wurde 2019 gegründet und hat sein Werk in Çorlu bei Istanbul nach der Revision des Annex 1 aufgebaut. Die Abfülllinien stammen von Groninger, Bausch + Ströbel und Syntegon, die EU-GMP-Zertifizierung wird derzeit vorbereitet. Welche Technik an welcher Linie eingesetzt wird, erläutern wir Ihnen im Audit anhand der Contamination Control Strategy. Die Grundlagen fasst der Beitrag zum Annex 1 zusammen, die Prozesssimulation erklärt der Beitrag zum Media Fill.
Häufige Fragen zu Isolator und RABS
Ist ein Isolator immer besser als ein RABS?
Beim Sterilitätsrisiko ja. Bei Flexibilität und Kosten je Formatwechsel hat das RABS Vorteile. Die Wahl hängt vom Produktportfolio ab.
Darf unter Laminar Flow ohne Barriere abgefüllt werden?
Nur mit Begründung in der Contamination Control Strategy. Für neue Linien gilt das als nicht mehr zeitgemäß.
Was ist ein geschlossenes RABS?
Ein RABS, dessen Türen während der gesamten Produktion verriegelt bleiben. Es kommt dem Isolator am nächsten, braucht aber weiterhin einen Reinraum der Klasse B.
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