Depyrogenisierung ist die Entfernung oder Zerstörung von Pyrogenen, vor allem bakteriellen Endotoxinen, auf Vials, Ampullen und anderen Packmitteln vor der sterilen Abfüllung. Endotoxine sind Bestandteile abgestorbener Bakterien, die im Körper Fieber auslösen und eine normale Sterilisation überstehen. Deshalb reicht es nicht, Behältnisse zu sterilisieren, sie müssen auch endotoxinfrei sein. Dieser Beitrag erklärt die Verfahren, den Nachweis und den Platz der Depyrogenisierung im Fill-Finish-Prozess.
Kurz zusammengefasst
- Glasbehältnisse werden im Heißluft-Tunnel bei über 250 Grad Celsius depyrogenisiert, Stopfen durch Spülen mit Wasser für Injektionszwecke.
- Der Nachweis gilt als erbracht, wenn eine Endotoxinbeladung um mindestens drei Zehnerpotenzen reduziert wird.
- Ready-to-Fill-Vials werden bereits depyrogenisiert angeliefert, was den Prozessschritt beim Abfüller entfallen lässt.
Inhaltsverzeichnis
ToggleWas sind Pyrogene und Endotoxine?
Pyrogene sind fiebererzeugende Stoffe. Die wichtigste Gruppe sind Endotoxine, Lipopolysaccharide aus der Zellwand gramnegativer Bakterien. Sie entstehen überall dort, wo Bakterien gewachsen sind und absterben, etwa in Wasser oder auf gelagerten Packmitteln. Endotoxine sind hitzestabil, ein Autoklav bei 121 Grad Celsius zerstört sie nicht. Erst Temperaturen weit über 200 Grad Celsius oder eine mechanische Entfernung schaffen Abhilfe. Die Grundlagen beschreibt der Artikel zur Depyrogenation.
Welche Verfahren der Depyrogenisierung gibt es?
| Verfahren | Prinzip | Einsatz |
|---|---|---|
| Trockene Hitze im Tunnel | Glas durchläuft eine Heizzone mit mindestens 250 Grad Celsius, Endotoxine werden zerstört | Vials, Ampullen, Flaschen aus Glas direkt vor der Abfüllung |
| Trockene Hitze im Sterilisator | Chargenweise Behandlung bei hoher Temperatur über definierte Zeit | Glasgeräte, Edelstahlteile, kleine Chargen |
| Spülen mit Wasser für Injektionszwecke | Endotoxine werden mechanisch abgespült, keine Zerstörung | Stopfen, Kunststoffteile, Vorbehandlung von Glas |
| Chemische Behandlung | Natronlauge oder Wasserstoffperoxid zerstören Endotoxine auf Oberflächen | Anlagenteile, Chromatographiesäulen |
| Ultrafiltration | Membran hält Endotoxine aus Flüssigkeiten zurück | Wasseraufbereitung, Pufferlösungen |

Wie läuft die Depyrogenisierung im Fill-Finish-Prozess ab?
Glasvials und Ampullen werden zunächst in einer Waschmaschine mit Wasser für Injektionszwecke gespült. Danach laufen sie durch den Depyrogenisierungstunnel, der aus Vorheizzone, Heizzone und Kühlzone besteht. In der Heizzone herrschen über 250 Grad Celsius, die Kühlzone bringt die Behältnisse unter sterilen Bedingungen auf Raumtemperatur. Am Ausgang des Tunnels befindet sich bereits der Reinraum der Klasse A, in dem die Abfüllung beginnt. Stopfen werden getrennt gewaschen, siliconisiert und im Autoklav sterilisiert, weil Gummi die Tunneltemperaturen nicht verträgt.
Wie wird die Depyrogenisierung nachgewiesen?
Die Validierung nutzt Endotoxin-Indikatoren. Das sind Behältnisse, die gezielt mit einer bekannten Endotoxinmenge beladen wurden, in der Regel mindestens 1.000 Endotoxin-Einheiten. Nach dem Durchlauf wird der Restgehalt gemessen. Das Verfahren gilt als wirksam, wenn die Beladung um mindestens drei Zehnerpotenzen sinkt, also um 99,9 Prozent. Zusätzlich werden Temperaturverteilung im Tunnel, Bandgeschwindigkeit und Worst-Case-Positionen dokumentiert. Die Requalifizierung erfolgt in festen Abständen und nach Änderungen.
Ready-to-Fill als Alternative
Vorsterilisierte und depyrogenisierte Packmittel, sogenannte Ready-to-Fill-Vials, werden vom Packmittelhersteller aufbereitet und in Nestern verpackt angeliefert. Der Abfüller öffnet die Verpackung im Reinraum und füllt direkt ab. Waschmaschine und Tunnel entfallen, was Rüstzeit spart und bei kleinen Chargen wirtschaftlich ist. Die Verantwortung für die Depyrogenisierung liegt dann beim Packmittellieferanten, der entsprechend qualifiziert sein muss.
Depyrogenisierung bei Lubeca fill
Lubeca fill wurde 2019 gegründet und füllt in Çorlu bei Istanbul Ampullen von 1 bis 10 ml und Vials auf Anlagen von Groninger, Bausch + Ströbel und Syntegon ab. Neben der klassischen Bulk-Line mit Waschen und Depyrogenisieren bietet Lubeca fill auch die Verarbeitung von Ready-to-Fill-Vials an. Die EU-GMP-Zertifizierung wird derzeit vorbereitet. Den gesamten Ablauf zeigt der Beitrag zu Fill Finish, die Anforderungen an das Wasser der Beitrag zu Wasser für Injektionszwecke. Details finden Sie auf der Seite Ready-to-Fill Lohnabfüllung.
Häufige Fragen zur Depyrogenisierung
Warum reicht Sterilisation nicht aus?
Sterilisation tötet Keime, zerstört aber nicht deren Endotoxine. Ein steriles, aber endotoxinbelastetes Vial würde beim Patienten Fieber auslösen.
Wie lange dauert die Depyrogenisierung im Tunnel?
Die Verweilzeit in der Heizzone liegt je nach Temperatur und Validierung meist zwischen wenigen Minuten und einer halben Stunde.
Wie wird Endotoxin im fertigen Produkt geprüft?
Mit dem LAL-Test oder rekombinanten Alternativen. Der Grenzwert hängt von Dosis und Anwendungsweg des Arzneimittels ab.
Sie möchten wissen, welche Packmittel Lubeca fill verarbeitet? Sprechen Sie uns an.



